Muttertät (Teil 1)

Schwanger werden und schwanger sein kann wunderschön sein - vor allem wenn die Schwangerschaft geplant / gewünscht war und komplikationsfrei verläuft. Frau freut sich auf das Baby, gemeinsam mit PartnerIn, Familie und/oder FreundInnen ist man in Vorbereitungsmodus und kann es gar nicht richtig erwarten.


Dann gibt es aber natürlich auch andere Momente in diesem Prozess: Traurigkeit, Frust, Angst, ein dünnes Nervenkostüm, weil man an dem Tag schon wieder den 37. Ratschlag zum Umgang mit dem eigenen Körper und/oder künftigem Baby von unbeteiligten Menschen bekommen hat. Man empfindet Enttäuschung, weil man nicht mehr auf die herausfordernde Bergtour gehen kann. Vielleicht gibt es da auch Wut oder andere Emotionen - alle sind sie irgendwie da und alle werden so intensiv erlebt.


Meine Theorie ist ja, dass die Schwangerschaft Frauen zu ultra-gspürigen Wesen macht (vielleicht sind wir’s eh immer alle und merken’s nur nicht) und dadurch auch die ganze emotionale Bandbreite auf Verstärker mitbekommen. Und das alles, während man sich seelisch, körperlich, emotional, real, phänomenal oder sonst wie auf die Tatsache vorbereitet, dass man bald ein Wesen auf diese Welt bringt, (a) das man dann 24/7 zu versorgen und großzuziehen hat während man (b) sich selbst ja auch noch versorgt und großzieht. Keine Peanuts würde ich meinen.


Die Muttertät (engl.: Matrescence) ist ein Begriff, der aus dem Englischen kommend geprägt wurde, um den Übergang in die Mutterschaft zu beschreiben und lehnt sich an den Begriff der Pubertät (engl.: Adolescence) an, die ähnlich einschneidend im Leben eines Menschen ist. Dieser Übergang findet auf mehreren Ebenen, z.B. physisch, psychisch, hormonell, neuronal (!), sozial, etc. statt.


Als ich während meiner Schwangerschaft das erste Mal davon gehört hatte, dachte ich; cool, danke, dass es ein Wort dafür gibt! Ein Wort für diese dann doch nicht allzu kleine Veränderung, die man als Frau durchwandert (siehe peanuts oben). Wer ist schon auf diese krasse emotionale Veränderung vorbereitet, auch wenn man sich rational bestens gewappnet und informiert hat. Es wirklich zu erleben und zu spüren, das ist eine andere Hausnummer. Irgendwann im Schwangerschaftsmonat 4 hatte ich die Erkenntnis, was hier gerade passiert und eine Art Abschied von der Tatsache vollkommen alleine und für mich auf dieser Welt zu sein und war einfach traurig, dass mein altes Leben - das, in dem ich nur für mich zuständig bin, nur für mich Entscheidungen treffe - vorbei ist.


Ich dachte; wieso gibt es keine Rituale dafür? Wieso wurde ich darauf nicht emotional vorbereitet? Wieso wusste ich es nicht? Vielleicht kann man auf manche Dinge einfach nicht vorbereitet werden - zumindest nicht emotional. Emotionen sind immer an Präsenz gebunden und werden dann in dem gelebten Moment wahr, spürbar und erlebbar.


Ich hege keinen Anspruch darauf, von jemandem hätte vorbereitet werden zu müssen und dennoch hat es mich verwundert, wie wenig über diesen emotionalen Übergangsprozess in meinem Bewusstsein war. Vielleicht liefert dieser Artikel einen kleinen Bewusstseins-Beitrag für dich. Ein kleiner Bewusstseins-Beitrag dazu, dass jede Frau ihre Muttertät individuell erlebt und dass jede Emotion da sein darf, dass alles ok ist. Alles ist ok.


Alles Liebe,

Mama Jama





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